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Politische Semantik

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Der Begriff „völkisch“ ist nicht rehabilitierbar, der Begriff Volk muss nicht rehabilitiert werden.

So könnte man den Vorstoß der AfD-Chefin Petry kommentieren, die sich eine positive Konnotation des Begriffes „völkisch“  wünscht.

Politische Semantik hat viel mit Ideologie zu tun. Wenn Begriffe ideologisch verbrannt sind, bleiben sie verbrannt und einer bestimmten Ideologie zugehörig. So mögen sich viele Bürger hierzulande mehr Partizipation und Einfluss bei demokratischen Entscheidungen wünschen, wozu auch Volksentscheide gehören. Eine „Volksdemokratie“ aber wünscht sich bisher niemand öffentlich. Der Begriff ist auch erledigt, seit er über Jahrzehnte die SED-Diktatur euphemistisch umschrieb.

Es gibt also guten Grund, bestimmte Begriffe wegen ihrer starken ideologischen Verfärbung zu entsorgen, „völkisch“ und „Volksdemokratie“ gehören sicherlich dazu.

Dennoch ist das Anlagen Petrys, das etwas weiter formuliert, darauf zielt, den Begriff Volk aus der „Schmuddelecke“ zu holen, legitim, wenn auch ungeschickt. Begriffe wie Volk, Volksgemeinschaft, Volkstum, Volksverbundenheit, Volksnähe und Volkswille kann man politisch durchaus benutzen, ohne sich in die Nähe der nationalsozialistischen Ideologie zu begeben. Auch Familienbegriffe, wie Familienverbundenheit, Familienzusammenhalt, Familienwerte oder  Familientradition müssen unverdächtig bleiben, wenn man unserer Gesellschaft, die sich auf Familien gründet, nicht die Wurzeln ziehen will.

Es ist auch durchaus erlaubt, die Familie als dominierende Lebensform in Deutschland in den Vordergrund zu stellen. Niemand käme auf die Idee, zu behaupten, dass Deutschland sich auf „Wilde Ehen“, WGs, Kommunen oder sonstige Lebensgemeinschaften gründet, auch wenn es diese Formen des Zusammenlebens berechtigterweise gibt. Sie haben aber keine Priorität und wer das behauptet, ist ein (zumeist linker) Ideologe.

Differenzierung kann ja nicht schaden. Eine „Wilde Ehe“ ist genaugenommen oft eine recht biedere „außereheliche Lebenspartnerschaft“, über die man durchaus positiv denken darf, die auch die Gleichstellung zur Ehe in Rechten und Pflichten verdienen würde, wenn diese Paare das wollten. Sie wollen aber nicht, zumindest die Pflichten (Unterhaltspflichten) will meist ein Partner nicht haben. So gesehen macht es auch hier keinen Sinn, Beziehungen zu einem Ideal zu erheben oder zu verteufeln. Außereheliche Lebensgemeinschaften sind eben außerehelich, meist aus gutem Grund.

Am Ende sind, scheinbar überholte, konservative Begriffe wie Volk, Familie und Ehe eben doch die semantischen Grundpfeiler unseres gesellschaftlichen Zusammenhaltes und das haben die meisten Leute inzwischen begriffen. Wer dagegen angehen möchte, sollte sich klar sein, dass er damit ein ewig Gestriger ist, weil die Zeiten, in denen es progressiv war, diese Begriffe zu verteufeln, etwa dreißig Jahre zurückliegen.

Dreißig Jahre in denen die gesellschaftliche Entstrukturierung viele Menschen isoliert, entmutigt, vereinzelt und auf den narzisstischen Egotrip geschickt hat. Ein Prozess, der sich in den letzten Jahren in einer mangelnden Empathie für die Gemeinschaft (vom Neoliberalismus bis zum Terrorismus), ungehemmten Konsumismus, Hedonismus und Materialismus, dem Abgleiten in virtuelle Realitäten (digitale Einsamkeit), Depression, Angst und Psychopathie gezeigt hat. All das ist auf dem Vormarsch, was sich auch tatsächlich statistisch belegen lässt.

Protektive Faktoren sind Familien, Ehen, Traditionen, Zusammenhalt und eben auch ein gewisses Volksbewusstsein, meinetwegen eine Volksgemeinschaft. Wer dagegen angeht, muss sich irgendwo im vorherigen Absatz einsortieren. Wer das möchte – bitte!

Wenn man ehrlich ist, kommt man an der Erkenntnis nicht vorbei, dass wir uns auf diese traditionellen und grundlegenden Werte zurückbesinnen müssen, wenn wir der Entstrukturierung entgegenwirken und den gesellschaftlichen Zerfall, auch den demografischen Abstieg, stoppen wollen. Das ist durchaus möglich, wie das Beispiel Frankreich zeigt.

Eine pluralistische Gesellschaft kann es trotzdem geben, aber eben nicht als Ideologie. Als Ideologie und Orientierungsmaßstab ist sie tödlich. Erinnern wir uns ruhig an Brzezinski, der die Pluralisierung Russlands, in seinem Buch „Die einzige Supermacht“ als Methode beschrieben hat, Russland zu schwächen und in kleine Teile zu zerhacken. Man kann jede Gesellschaft durch Pluralisierung schwächen und zerstören. Putin, den ich für einen Autokraten halte und dessen Freund ich nicht bin, hat das begriffen. Merkel aber nicht!

Mal sehen, ob die AfD einen solchen wertkonservativen Ansatz ohne Beschädigung demokratischer Werte hinbekommt. Mit der Rehabilitation des Begriffes „völkisch“ klappt das aber garantiert nicht!

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 17. September 2016 um 14:30 Uhr  

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