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Was noch zu sagen wäre ! ( Eine Bestandsaufnahme)

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Was noch zu sagen wäre.

Eigentlich gehöre ich ja zu einer privilegierten Klasse, denn trotz gesellschaftlicher, persönlicher und sozialer Konflikte und einer Prägung durch die bürgerliche Arbeiterschicht, waren mir als Kind der Sechziger, Hunger und Existenzängste meist ebenso fremd wie die historische Last der Geschichte, die meiner Vorgängergeneration anhaftete.

War die Welt auch ein Jammertal, so war sie doch durch staatliche Lenkung, sozialen Ausgleich und nationale Grenzbereiche für den Bürger meist greifbar!

Die da oben“ kamen zwar damals schon im Wirtshaus der Eitelkeiten nicht gut weg, aber sie wurden dennoch als gewählte Vertreter mit einer gewissen Entscheidungsbefugnis ausgestattet und in ihrer Entscheidungshoheit nicht grundsätzlich angezweifelt.

Die Nation wurde als Familie begriffen, mit einem gewählten Oberhaupt und einer unterschwellig autoritären Ausrichtung. Vielleicht vergleichbar mit der Logik der aktuellen Depatte, die uns zur Zeit wieder suggeriert, wir müßten uns zwischen Sicherheit und Freiheit entscheiden!

Noch stellten globale Märkte keine spürbare Bedrohung da, auch soziale Netzwerke waren als virtuelle Zelle für die Gesellschaft so noch nicht präsent.

Nationale Empfindlichkeiten, sowie politsche und wirtschaftliche Interessen waren in der Regel so ausgewogen, dass in einem einigermaßen fairem miteinander meist ein demokratisch sozialer Ausgleich zwischen allen Parteien stattfand.

Ab einen gewissen Zeitpunkt aber ging diese Rechnung nicht mehr auf, und wir nahmen einen politischen Kredit auf.

Wir kauften uns Zeit!

Eigentlich mußte uns bewußt sein, dass wir hier eine Wette auf die nächste Generation abschließen.

Aber nein, solange uns keiner stellte, stellten wir uns nicht!

Wie schon Generationen vor uns, verwiesen wir mit Nachdruck auf Verdienste, die uns nun ein Anrecht auf ein privilegiertes Leben rechtfertigten. Trug das Finanzsystem diesen Anspruch auch schon längst nicht mehr, so stand dies jedoch in der bewährten Logik, das hier nun die Jungen sich durch kreative Lösungen den Verdienst erwerben müßten, aus dem heraus sich dann später ihre Privilegien begründen. Ein Generationenvertrag als fortwärender Verschiebebahnhof !

Der Staat war unbegrenzt kreditwürdig, und dem Anschein nach gab es immer noch genug zu verteilen. Diese real-politische Lüge konnte natürlich nur eine absehbare Zeit aufrecht erhalten werden.

Jetzt rückt uns die Realität auf den Pelz, und fordert ihren Preis ein!

Die betrogene Zeit verlangt ihren Kredit mit Zins zurück! In dieser Stunde der Wahrheit, in der sich nun die Interessensgemeinschaft der Kreditnehmer zu ihrer Verantwortung bekennen muß, demaskiert sich diese vermeintlich demokratische Gesellschaft und zeigt ihr wahres Gesicht.

Der Verteilungskampf hat begonnen !

Nun rächt sich, das es offensichtlich versäumt wurde den unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Fundament zu geben, anstatt immer nur ein Problem aus einem öffentlichen Interesse heraus zu thematisieren. Denn jetzt greifen globale Mechanismen in ein System ein, das noch in einem nationalen Kontext steht. Die Gesellschaft steht nun einem Markt gegenüber für den sie noch keinen ethischen Rahmen geschaffen hat.

Einer Politik, die sich unentschlossen und zögerlich zeigt.

Einem System, das keine befriedigenden Antworten mehr auf die akuten Probleme der Gegenwart hat, und auf eine sozial gespaltene Gesellschaft in der Privilegien besser geschützt sind als soziale Mindestwerte!

Sie sieht ein Europa das sich in nationalen Egoismen gefällt und nicht in der Lage, oder Willens ist sich aus der Erkenntnis der Notwendigkeit heraus zu reformieren.

Das dass letztlich nun auch immer häufiger zu einer nationalen Sehnsucht mit extremistischen Anklang führt, sollte eigentlich Grund genug sein um politische Grabenkämpfe nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit auszutragen.

Der Markt an sich ist nicht unser Feind,im Gegenteil, im demokratischen Konsens gelenkt ist sie ein unersätzlicher Bestandteil in diesem ökonomischen System, aber ohne gesellschaftliche Verpflichtung folgt er seiner Natur.(In einem demokratischen Bett kann er ganze Völker ernähren, als reissender Strom aber bringt er Elend und Vernichtung für eine ganze Generation.)

Leider haben wir im Vertrauen auf die Beherrschbarkeit des Marktes so manchen Damm eingerissen um den Fluss Raum zu geben. Dieses ermöglichte den Markt nun, in Bereiche einzusickern, für die wir keine Vorkehrungen getroffen hatten.

Jetzt findet sich die Politik in einer Situation wieder, in der sie nur noch reagieren kann! Das entspricht jedoch nicht ihrem vollständigen demokratischen Auftrag. Politikverdrossenheit auf allen Seiten macht sich breit. Eine Entwicklung die in ihrer Dynamik, gerade jetzt eine gefährliche Dimension annimmt. Im Zeitrahmen eines sozialen Zerfalls, in dem das festhalten von Privilegien auf Kosten anderer, gleichbedeutend ist mit der Aufkündigung demokratischer und ethischer Grundprinzipien. In dieser politisch getriebenen Situation stehen aber neben all dieser globalen Herausforderungen, auch noch Hausaufgaben wie eine gerechte Rente, die Lösung des Generationenkonflikts oder die Folgen einer Armutszuwanderung an.

Volksparteien die hier aus Angst um ihre Wiederwahl erneut wieder mit kosmetischen Maßnahmen versuchen, die Risse im System zu überdecken, sollten uns da Angst machen, denn diese Angst ist berechtigt. Unsere Hoffnung jedoch, als Publikum das Zirkuszelt mit einem wohligen Schauer unbeschadet verlassen zu können, ist es nicht!

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 04. November 2016 um 12:38 Uhr  

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