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Auf dem Weg in die psychologische Katastrophe

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In Europa gibt es einen neuen Trend.

Psychische Erkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch.

Inzwischen stellen sie in Deutschland die häufigste Ursache für Frühverrentungen dar, Tendenz deutlich steigend. Daneben sind sie die Erkrankungen, welche die höchsten volkswirtschaftlichen Kosten produzieren.

Vergleichsweise zynisch ist der Kommentar der Arbeitgeberverbände zu diesem Anstieg, der seit Jahren gleichbleibend lautet:

„Es gibt nicht mehr psychische Erkrankungen, sondern mehr psychische Diagnosen.“

Als Arzt läuft es einem eiskalt den Rücken herunter, wenn man sich anhört, wie Verbandspolitiker und Technokraten diesen bedrohlichen Trend mal eben wegwischen.

Psychische Störungen haben das Zeug zu einem Megatrend

Psychische Störungen haben inzwischen Krebserkrankungen als Ursache von Fehltagen und Arbeitsunfähigkeiten überholt.

Europaweit sind laut einer Studie, die in der Zeitschrift Neuropsychopharmakology veröffentlicht wurde, zwischen dreißig und vierzig Prozent der Menschen psychisch krank. Man geht von 168 Millionen Europäern aus, die auf diese Weise erkrankt sind. Häufig sind dabei Angststörungen mit 14,4% der Europäischen Bevölkerung, danach Depressionen mit 7-8% der Europäer, dann kommen die Demenzen und die diagnostizierten Suchterkrankungen (Dunkelziffern nicht eingerechnet).

Auf einem Kongress der European Psychiatric Association (EPA) vor einigen Jahren sagte ein Redner angesichts der immer bedrohlicher werdenden Statistiken, dass man den Begriff der psychischen Erkrankung wohl umdefinieren müsse, im Sinne einer ständigen Anwesenheit von Erkrankung, die man im Alltag mehr oder weniger gut kompensieren kann.

Normalisierung als Verdrängung der psychischen Katastrophe

Ein fatalistisches Konzept! Erkrankungen, die zu häufig sind, um sie zu bekämpfen, werden einfach „normalisiert“.

Man stelle sich vor, dass wir eine massive Zunahme von Magengeschwüren in Europa hätten und nun keinen anderen Ausweg wüssten, als Magengeschwüre für „normal“ zu erklären.

Aber diese Art der Bewältigung einer sich anbahnenden psychologischen Katastrophe existiert schon längst.

Es ist normal, dass viele Menschen in Europa ihren Lebensmittelpunkt vor dem Computer, dem Tablet oder dem Handy haben.

Niemand wundert sich mehr, wenn die Leute in der U-Bahn unaufhörlich auf ihr Smartphone starren und inzwischen über rote Ampeln gehen, weil sie den Blick von ihrem Telefon nicht wegbekommen.

Es ist normal, dass 6-8 Millionen, überwiegend junge Menschen, allein in Deutschland, tätowiert oder gepierct sind. Es ist normal, dass die Zahl der übergewichtigen Kinder rasant ansteigt und die Bewegungskompetenz abnimmt. Es ist normal, dass die Aggression in Schulen zunimmt, dass die Aggression gegenüber der Polizei zunimmt, dass Essstörungen zunehmen und dass wir jedes Jahr mehr psychiatrische Behandlungsplätze brauchen, obwohl die Bevölkerung nicht wächst.

Wir befinden uns auf dem direkten Weg zum kranken Individuum

Die „Normalisierung“ psychischer Störungen und von Störungen im Vorfeld psychischer Erkrankungen, wie man sie bei hohem Internet-Konsum und anderen suchthaften Verhaltensweisen sehen, ist nichts anderes als Verdrängung dessen, was gerade passiert. Wir befinden uns auf dem direkten Weg zum kranken Individuum.

Der Grad von Selbstverlorenheit, Angst und Einsamkeit, Leistungsansprüchen, vor denen Menschen einknicken und sich schlecht fühlen und der gleichzeitigen Abnahme sozialer Verbindlichkeit und des Zusammenhaltes in der Gesellschaft ist beängstigend geworden.

Wenn man jetzt Beispiele nennen würde, käme sofort das Argument, man wolle Einzelfälle aufbauschen. Deshalb lässt man es lieber. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Das muss reichen.

Man muss nicht unbedingt den Vorwürfen glauben, die aus Russland kommen, dass Europa aus degenerierten Gesellschaften bestünde. Womit wohl eine Art psychischer und moralischer Haltlosigkeit gemeint ist, die es in Russland und den so genannten Übergangsgesellschaften noch viel ausgeprägter gibt, als in der EU.  Aber man muss doch wenigstens sehen, dass es immer mehr Menschen in Europa schlecht geht!

Die Zusammenhänge zwischen Armut und psychischer Erkrankung sind dabei ebenso deutlich erwiesen, wie der Zusammenhang zwischen dem Zerfall sozialer Zusammenhänge, der Zerstörung von Familien, den hohen Scheidungsraten, des Eindringens der Arbeit in alle Lebensbereiche und der Auflösung von allgemeinverbindlichen Rhythmen der Werktätigkeit, der Zunahme des Leistungsanspruches von der Schule an, der Ausgrenzung des Sozialen aus der Arbeitswelt und das Primat des Profites über die menschlichen Bedürfnisse.

Daraus folgt, weniger Mut zu sozialen Kontakten, zur Familiengründung, weiterer Rückgang der Geburtenraten und sozialer Rückzug in virtuelle Welten, soziale Netzwerke, Online-Spiele und Drogen. Eine allgemein abnehmende psychosoziale Kompetenz. Wie oft wird man als Psychiater angerufen, weil jemand weint. Die Leute können nicht mehr mit den einfachsten psychischen Regungen ihrer Mitmenschen umgehen!

Diese Reihe von Fakten führt uns auf dem direkten Weg in die weitere Eskalation der psychischen Erkrankungsspirale, in der wir uns befinden. Eine psychologische Katastrophe ist abzusehen, auch wenn man noch nicht genau weiß, wie diese aussehen wird.

Wollen wir es abwarten oder wollen wir lieber etwas unternehmen?

Rückbesinnung ist ein Weg zur Heilung

Was macht ein Mensch, der in die Sackgasse geraten ist? Er geht ein paar Schritte zurück um nachzuschauen, ob ein falscher Abzweig genommen wurde, ob ein anderer Weg vielleicht besser gewesen wäre. Das hat nichts mit Rückwärtsgewandtheit zu tun. Das ist einfach vernünftig.

Unsere Gesellschaften sind dabei, genau diese Schritte zurück vorzunehmen, was als Rechtspopulismus, als Nationalismus, sogar als Faschismus gebrandmarkt und diskreditiert wird. In Wirklichkeit müssen unsere „neuen Werte“ auf den Prüfstand.

In Wirklichkeit ist es völlig in Ordnung, wenn ländliche Gesellschaften plötzlich ihre Traditionen, ihre Integrität und ihren Zusammenhalt betonen, den Globalisierungswahn und die Zersplitterung der Gesellschaft, auch die Zersplitterung durch Zuwanderung nicht weiter mitmachen wollen.

Man kann darin einfach nur den Versuch sehen, sich gegen krank machende Einflüsse zu wehren, die unsere Eliten derzeit in Europa massiv propagieren, damit Wachstum und Profit auch in Zukunft stimmen.

Konservativismus ist der Versuch zur Besinnung, es ist vielleicht der Versuch zur Heilung. Man kann dies als Gegenwehr gegen die psychologische Katastrophe sehen, die viele Menschen intuitiv ahnen.

Nicht zu unrecht. Die Leute haben Recht. Unsere Politik ist auf dem Holzweg!

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 05. Januar 2017 um 14:49 Uhr  

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