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Unser Arbeitsmarkt radikalisiert!

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Ein Arbeitsmarkt der die Würde der Arbeitnehmer mit Füßen tritt, muss früher oder später zu einer unmenschlichen Gesellschaft führen.

Am unteren Rand unseres Arbeitsmarktes, der inzwischen fast 8 Millionen Minijobber aufweist und damit noch nicht erschöpfend beschrieben ist, weil die Midijobber (Einkommen bis 850 Euro monatlich) und die Aufstocker (Einkommen, die nicht zur Deckung des Lebensunterhaltes ausreichen und durch Sozialtransfers ergänzt werden müssen) hinzugerechnet werden müssen, herrscht das Recht des Stärkeren.

Insgesamt sind nach der Hans-Boeckler-Stiftung (Impulse, 7/2016) im Jahr 2015 39% aller Arbeitnehmer in Deutschland in Leiharbeit, Teilzeit oder Minijobs beschäftigt. Der untere Rand des Arbeitsmarktes wird jedes Jahr deutlich dicker und nimmt auch stärker zu, als die Vollzeitbeschäftigungen. Für das Jahr 2016 sind also noch schlechtere Zahlen zu erwarten.

Nach einer neuen WSI-Studie der Hans Böckler Stiftung bekam die Hälfte der Minijobber in 2015 nicht den vorgeschriebenen gesetzlichen Mindestlohn. Das dürfte auch in 2016 so gewesen sein und in diesem Jahr so bleiben.

Der gesetzliche Mindestlohn, der Anfang 2015 eingeführt wurde, erweist sich zunehmend als ein riesiger Schwindel, weil er am Arbeitsmarkt permanent unterlaufen wird. Die Frage, ob die Arbeitsagenturen davon Kenntnis haben, braucht man fast nicht mehr zu stellen. Bei Millionen Arbeitnehmern, die unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns beschäftigt werden, dürften etliche Klagen bei den Arbeitsagenturen eigegangen sein.

Wer in den einschlägigen Foren von prekär beschäftigten Arbeitnehmern recherchiert, die Arbeitsangebote studiert und sich im Bekanntenkreis umhört, kann die Lage am Arbeitsmarkt sehr schnell selbst beurteilen.

Es gibt eine ganze Reihe von Methoden, den Mindestlohn zu unterlaufen und nebenbei auch den Schutz der Arbeitnehmer vor Willkür, Unsicherheit und sittenwidrigen Arbeitsverträgen auszuhebeln.

-     Arbeitnehmer bekommen Arbeitsverträge in denen ein Mini- oder Midijob mit entsprechender Bezahlung angegeben ist, müssen aber, um den Job zu behalten, bis zum Doppelten der angegebenen Arbeitszeit ableisten. Dadurch kann der Stundenlohn halbiert werden.

-     Arbeitnehmer werden zum Probearbeiten eingeladen (inzwischen bei vielen Unternehmen üblich) und es wird ihnen ein Arbeitsvertrag in Aussicht gestellt. Diese Phasen des Probearbeitens werden dann auf bis zu drei Monate ausgedehnt. Am Ende werden die Arbeitnehmer für ungeeignet befunden und wieder weggeschickt. Ein neuer Bewerber wird zum Probearbeiten eingeladen.

-     Vielen Arbeitnehmern wird inzwischen angeboten offiziell einen Mini- oder Midijob anzunehmen und dann inoffiziell eine zusätzliche Prämie in bar zu erhalten. Dafür wird länger und mehr gearbeitet, als im Arbeitsvertrag angegeben (oft im Umfang einer Vollzeitstelle). Dies hat den Vorteil für die Arbeitgeber, dass die Sozialversicherungsbeiträge niedrig gehalten werden. Der Arbeitnehmer bekommt unter der Hand Barzahlungen, die er nicht versteuert. Auf diese Weise sind Arbeitnehmer, die sich darauf einlassen von ihren Arbeitgebern erpressbar. Denn die Prämie für eigentlich ganz normal geleistete Arbeit wird nur dann bezahlt, wenn keine Krankheitstage auflaufen, wenn auf Urlaub verzichtet wird oder andere Wünsche des Arbeitgebers erfüllt werden. Klagen kann ein Arbeitnehmer gegen ein solches Vorgehen nicht. Denn faktisch hat er sich mit der Annahme von Barzahlungen unter der Hand und am Finanzamt sowie der Sozialversicherung vorbei, strafbar gemacht. Eine Mafia-Methode, die um sich greift.

-     Einfachste Methode: Der gesetzliche Mindestlohn wird einfach ignoriert und nicht bezahlt. Es gibt keine effektive und flächendeckende Verfolgung von Arbeitgebern, die weniger zahlen, als gesetzlich vorgeschrieben. Kurz, den Arbeitgebern passiert auch dann nichts, wenn die betroffenen Arbeitnehmer das gesetzeswidrige Verhalten anzeigen oder dagegen klagen. Nur die Arbeitnehmer sind dann ihren Job los und haben eine Menge Ärger am Hals.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass es interessant ist, wie überall in den Medien Aufregung über den aufkommenden Populismus hochgekocht wird und der massive Missbrauch von Millionen Arbeitnehmern auf unserem Arbeitsmarkt, bestenfalls eine Randnotiz wert ist.

Mehr als ein Drittel unsere Arbeitnehmer arbeiten inzwischen nach dem Gesetz des Dschungels. Sie werden nach Strich und Faden beschissen, angeschrien, unter Druck gesetzt und entmenschlicht. Warum bitte, sollten sie keine Populisten wählen? Angesichts der Realitäten auf dem Arbeitsmarkt können wir froh sein, dass die NPD nicht gewählt wird.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 31. Januar 2017 um 15:51 Uhr  

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