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In Berlin ist die Lage angespannt

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Nach dem Referendum in der Türkei ist hier in Berlin die Lage zwischen Türken und Deutschen eher angespannt.

Zu Unrecht, wie der Autor findet.

Nach dem überwältigen Ja zum Referendum über Erdogans Präsidialsystem haben viele türkischstämmige Menschen das Gefühl, endgültig in der Defensive gelandet zu sein.

Die Zahl derer, die Erdogan gerade dafür lieben, dass er antideutsch auftritt, ist eher bescheiden.

Islamismus, Terrorismus und Flüchtlingskrise – Türken in Deutschland und Deutsche türkischer Herkunft haben es in den letzten Jahren nicht leicht gehabt, sich in einem guten Licht zu präsentieren. Viele von ihnen trafen die Vorwürfe des Islamismus, der Absicht Europa zu islamisieren und der Demokratiefeindlichkeit zu Unrecht.

Rein faktisch haben sich Türken und ehemalige Türken in Deutschland in den letzten dreißig Jahren als Anpassungskünstler erwiesen. Die Rolle, die ihnen dabei jeweils zugewiesen wurde, Gastarbeiter, Service- und Lebensmittelunternehmer haben sie jeweils hart arbeitend realisiert. Das geringe Bildungsniveau haben viele türkeistämmige Menschen aber nicht überwinden können, die sprachliche Kluft zu den Deutschen ist bis heute nicht geschlossen, wenn sie auch erheblich kleiner wurde.

Man kann sagen, dass die Integration in eine fremde Kultur ein Generationen-Geschäft ist, das nach ein bis zwei Generationen noch lange nicht abgeschlossen werden kann.

Nun ist Erdogan mit seinen Ideen der islamischen Republik und einem regelrechten AKP-Terrorismus in der Türkei und leider auch in Deutschland auf den Plan getreten und hat die Volksgruppe, die Deutschland wohl  am fleißigsten gedient hat, erneut diskreditiert, zugleich aber auch verführt.

Es nimmt dabei nicht Wunder, wenn in Berlin, wo 42% aller erwerbsfähigen Menschen mit diesem Hintergrund offiziell arbeitslos sind, 72% aller jungen Türken nicht mehr als den Hauptschulabschluss schaffen und jeder Fünfte von ihnen die deutsche Sprache nicht richtig beherrscht, die AKP mit ihren narzisstischen Angeboten an die Türken relativ erfolgreich war.

Aber Vorsicht! So erfolgreich war die AKP in Berlin nicht!

Von den bundesweiten Großstädten gab es hier die geringste Zustimmung zum Referendum Erdogans und lediglich  mit 0,2% waren die Ja-Sager im Vorteil! Berlin ist das Schlusslicht für die Erdoganisten in Deutschland.

Berlin ist also nicht die Hochburg der AKP-Türken.

Berlin leidet unter allen und vor allem an sich selbst

Dennoch zeigen sich die Spannungen in dieser Stadt besonders deutlich, was vermutlich auch daran liegt, dass Berlin an sich schon eine aggressive Stadt ist. Hier schimpft schließlich jeder auf jeden.

Die Integration der Türken in Deutschland ist jedenfalls nicht gescheitert, denn sonst hätten viel mehr wahlberechtigte Türken für Erdogan und indirekt damit gegen unsere offene Gesellschaftsform gestimmt. Nimmt man die Wahlbeteiligung von unter 50% der Wahlberechtigten zusammen, waren in Berlin deutlich unter 10% der türkisch- oder türkeistämmigen Menschen nachweisbar für Erdogans Umbau der Türkei in eine islamische Präsidialrepublik. Die Dunkelziffern bleiben dabei aber typischer Weise im Dunkeln.

Türkische Volksgruppe in Berlin besser integriert, als von außen sichtbar

Auch die sehr konservativen und traditionell bildungsschwachen Türken, die wir damals als Industriearbeiter nach Deutschland eingeladen hatten, haben sich entwickelt und sind nicht mehr für alles empfänglich, was ein Führer ihnen weismachen will.

Überhaupt ist unter den Kopftüchern und hinter türkischen Wohnungstüren die Integration in Deutschland wesentlich besser gelaufen, als wir es derzeit auch in Berlin bemerken.

Türkische Frauen sind derzeit auch in Berlin dabei, ihre Männer bildungsmäßig abzuhängen, was sich auch in ihren deutschen Sprachkenntnissen erweist. Ähnlich ist das Bildungsniveau bei deutschen Frauen ja auch durchschnittlicher höher, als bei uns Männern.

Türkische Lebensmittelhändler beklagen sich darüber, dass sie bei ihrer Kundschaft keinesfalls nur noch auf Türken setzen können, weil die sich in ihren Ernährungsgewohnheiten den Deutschen angepasst hätten und lieber im Supermarkt kaufen.

Wissensintensive Servicebereiche, Handwerk und Handel sind derzeit ebenso wie Unternehmensneugründungen (Kleinunternehmen) bei türkischstämmigen Deutschen ausgesprochen beliebt und expandieren auch in Berlin.

Privat klappt es in Berlin zwischen Deutschen und türkischstämmigen Deutschen und Türken leider kaum

Es gäbe also eigentlich keinen Grund, speziell die Türken in Deutschland für repressionsfördernd, autoritär und tendenziell islamistisch zu halten, wäre da nicht diese gewaltige Kluft im Privaten. Die fällt auch in Berlin auf, was dazu führt, dass man sich als Deutscher durchaus die Negativerfahrungen mit türkischstämmigen Menschen merkt, weil das positive Korrektiv des normalen Umganges miteinander im Privatbereich fehlt.

Sportvereine stellen hier eine private Brücke dar. Ansonsten suche jemand bei türkischen Hochzeiten in Berlin originär deutsche Hochzeitsgäste. Kaum zu finden! Allenfalls grüßt man sich nett, wenn man im selben Haus wohnt. Nachbarschaftliche Beziehungen finden statt, sind aber nicht häufig. Schon bei den Kindergeburtstagen fällt auf, dass Einladungen für türkische Kinder nicht immer angenommen werden oder Gegeneinladungen ausbleiben. Die türkischstämmigen Menschen in Berlin bleiben lieber für sich, auch wenn sie oft das Gegenteil behaupten und sich teilweise sogar diskriminiert fühlen. Die Erfahrungen sind andere.

Sich fremde Volksgruppen sind aber Projektionsflächen für gegenseitige Unterstellungen. Hier liegt, zumindest in Berlin, der Hase im Pfeffer.  Obwohl die Menschen mit türkischen Wurzeln, die hier leben, zum großen Teil Deutsche geworden sind,  bleibt es bei der Fremdheit.

Deutschland bietet wenig Gemeinschaft die zu Integration einlädt

Es mag aber auch daran liegen, dass Deutschland kein einheitliches Identifikationsmuster anbietet und vor allem, dass in Berlin die Menschen ohnehin oft für sich sind. Türkische Communities gibt es in Berlin jede Menge, aber hat jemand mal etwas von einer deutschen Community gehört?

Die Deutschen gehen auch oft distanziert, misstrauisch und im Zweifel ablehnend miteinander um.  Wenn es dann Volksgruppen gibt, die eine intakte Gemeinschaft miteinander pflegen, wie die türkische Volksgruppe, warum und vor allem wo hinein sollen die sich dann integrieren?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass zumindest in Berlin die Aufregung über eine quasi militante islamistische AKP-Bewegung, die hier die türkische Volksgruppe erfasst haben soll, stark übertrieben ist. Die Auswirkungen aber dieser Befürchtung merkt man im Alltag. Das Auftreten vieler Türken in Berlin wirkt ebenso gereizt, wie das Verhalten von Berlinern, dieser Volksgruppe gegenüber.

Antwort auf Repressionsstaat Türkei kann nur eine neue Willkommenskultur für Türken im Rahmen eines gezielten Einwanderungsrechtes sein

Im Übrigen kann unsere Antwort auf den Erdoganismus in der Türkei nur sein, dass wir so viele weltoffene und fortschrittliche Türken nach Deutschland locken, wie angesichts der Situation möglich ist. Die Stunde hierfür ist äußerst günstig und wir würden damit ein effektives Gegengewicht zu den konservativen und teilweise bildungsfernen türkeistämmigen Familien in Deutschland schaffen können.

Die Antwort auf das antidemokratische und antideutsche Projekt Erdogans wäre also eine extrem türkenfreundliche Willkommenskultur, die zugegeben eher auf die Türken ohne Kopftuch zielt. Ein neues Einwanderungsrecht, dass hier Filter zur Verfügung stellt, wäre nicht schlecht.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 21. April 2017 um 14:24 Uhr  

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