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Der neue Ekel

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Über unseren gesellschaftlichen Auflösungsprozess

Wohl schon lange nicht mehr, standen unsere Werte derart auf dem Prüfstand, wie heute. Die Ideen der Toleranz, des Liberalismus, der Freiheitlichkeit und letztlich der Gleichheit und daraus resultierend der Demokratie scheinen angegriffen zu werden.

Was die Bewertung der Lage schwierig macht, ist die Feststellung, dass die vorgenannten Werte in unseren westlichen Gesellschaften nur noch partiell geteilt und noch partieller realisiert werden. Am stärksten steht dabei der Begriff des Liberalismus auf dem Prüfstand, weil er die eigentliche Triebfeder moralischer Auflösungsprozesse und zugleich einer wirtschaftlich immer größer werdenden Ungleichheit der Menschen zu sein scheint.

Die Frage, ob der Liberalismus ein Wolf im Schafspelz ist, vor allem wirtschaftsliberale Auffassungen predigt und das Faustrecht des Stärkeren damit meint, ist berechtigt.

Fakt ist, dass wir an einer Zeitenwende stehen, der nun auch die Massen erfasst. Vom Liberalismus zur Globalisierung gibt es nur noch einen kleinen semantischen Abstand mit riesigen wirtschaftlichen Auswirkungen. Eine Neuordnung der Gesellschaften nach arm und reich eine Aufteilung in Gewinner und Verlierer, in Eliten und Abgehängte, die den Bevölkerungen unserer Gesellschaften immer mehr bewusst wird.

Das hat Konsequenzen.

Zugleich wächst die Beliebigkeit und das schlägt auf die Moral. Der moralische Zustand, in den unsere Gesellschaften zunehmend gedrängt werden, ist ein Zustand der „inneren Widerstandslosigkeit“ , insbesondere was moralische Kategorien angeht und fördert zugleich ein Denken, dass „alles möglich ist“ eine Art besinnungslose Libertinage.

Die Keimzelle unserer Gesellschaft wird zerstört

Unsere Gesellschaften gründen sich auf Familien, sie sind die Keimzelle aus denen jedes Individuum sich bildet. Sie werden im Grundgesetz geschützt und zugleich politisch und wirtschaftlich energisch bekämpft. Sie sind in einer Unzahl von tendenziösen Studien, vor allem linker Provenienz, als die Schuldigen allen Übels ausgemacht worden. Sie produzieren Unterdrückung, sexuelle Traumata, mangelndes Selbstbewusstsein, intolerante Verhaltens- und Denkweisen, mangelnden Bildungswillen, Passivität und wahlweise Unter- oder Überernährung.

Man kann sich gar nicht vorstellen, was diesen kleinen „Zivilisationsmanufakturen“ schon alles vorgeworfen wurde. Am Ende sind sie zu nichts gut. Sie werden relativiert, (Homofamilien sind genauso gut, Wohngemeinschaften und Singlefamilien auch), nivelliert und vom Staat entmündigt, gelten als völlig untaugliche Kulturträger und –Vermittler, je weiter unten in der Gesellschaft angesiedelt, desto schlimmer.

Auf der anderen Seite werden die so angegriffenen Keimzellen unserer Kultur umworben, als Konsumenten, als Background für Leistungsträger und nicht zuletzt als Etikett für eine Gesellschaft, in der Individuen in Wirklichkeit aufgefordert werden, ihre eigene familiäre Identität abzulegen, um als flexible Moleküle für eine Massengesellschaft zur Verfügung zu stehen.

Ein Paradox, das sich schnell erklären lässt, wenn man bedenkt, dass im ständigen Manipulationsgeschehen eines liberalen Marktes sich alle Werte und alle Identitäten beliebig an die Oberfläche bringen lassen, wo sie materialisiert werden und als Produkte im Wettbewerb verkäuflich und käuflich werden.

Kauf Dir seelisches Wohlbefinden, Geborgenheit, kauf Dir einen neuen Partner, ein Kind oder gleich eine ganze Familie und sei es nur eine „Facebook-Familie“. Zwischenzeitlich dürfen die derart verarschten Individuen arbeiten gehen, um sich hinterher ihre „Werte“ an der Ladentheke abzuholen oder im Online-Handel zu bestellen.

So sieht die kapitalistische Verwertbarkeit von Individuen mit ihren ganzen Wünschen und Bedürfnissen aus und da stören feste Familienverbände eher. Denn, wer sich traditionelle Familien vor Augen führt, stellt schnell fest, dass dort nur ein Teil der Mitglieder der kapitalistischen Verwertungslogik zur Verfügung stehen, weil ein anderer Teil in der Familie gebraucht wird, häufig die Frauen, aber auch Ältere und solche Familienmitglieder, die aus anderen Gründen am gesellschaftlichen Wettbewerb nur noch eingeschränkt teilnehmen können.

Solche Familienverbände sind heute noch häufig bei Migrantenfamilien aus dem islamischen Kulturraum zu besichtigen. Sie führen ein gesellschaftlich, relativ abgeschirmtes Dasein, aus gutem Grund. Denn sie fühlen sich nicht nur angegriffen, sie werden es auch.

Die lautstarken Integrationsforderungen seitens der Politik an solche Migrantenfamilien sind nichts anderes, als Aufforderungen, die alten Strukturen aufzugeben, sich aufzulösen und schließlich sämtliche Individuen, die sie produzieren, für den allgemeinen Markt freizugeben.

Ein Auflösungsprozess, den viele deutschstämmige Familien schon hinter sich haben, wo die Alten längst im Altersheim, die Jungen längst einer Arbeit oder Ausbildung hinterhergezogen sind und die mittlere Generation ihr Sinndefizit durch Konsum betäubt, wenn sie es denn kann.

Was bleibt ist der Ekel vor einer Gesellschaft in der es keine Fixpunkte mehr gibt, in der nur noch Werte akzeptiert werden, die zentrifugal wirken (Freiheit, Toleranz und Liberalismus wirken zentrifugal) und die Keimzellen der Gesellschaften entkernt und ausgesogen zurückbleiben.

In Bezug auf unsere menschlichen Produktionsstätten gibt es keine Nachhaltigkeit, sie werden einfach ausgebeutet und weggeworfen. Keine ökologische Bewegung setzt sich für das Biotop der menschlichen Familie ein!

Aufkommender Autoritarismus

Scheinbar aus dem Nichts tauchen um uns herum autoritäre Systeme auf, schotten sich europäische Gesellschaften gegen unsere „Marktzwänge“ ab und noch viel mehr gegen unsere liberalen Werte. Polen wählt traditionalistisch-nationalistisch, Ungarn ist autoritär geworden, in Frankreich wehrt sich ein Drittel der Gesellschaft gegen ihre Zersetzung durch Internationalisierung und Zuwanderung gegen Lockerung des Arbeitnehmerschutzes (der auch ein Familienschutz ist) und gegen zunehmende Beliebigkeit in der Familienpolitik.

Russland will zurück zu seinen russisch-orthodoxen Wurzeln und sieht für sich eher spirituelle Werte als maßgeblich an, als materielle Werte, wenn man der Einschätzung des russischen Präsidenten glauben darf.

In den USA ist gerade ein nationalistisch-konservativ orientierter Präsident gewählt worden und verkörpert derzeit den westlichen Gegentrend zum Liberalismus wie kein anderer. Sein Politikstil ist autoritär, wenn auch mit erheblichen Widerständen in Washington verbunden.

Der konservativ-islamische Politikstil von Erdogan in der Türkei bleibt auch in anderen europäischen Ländern, mit türkischstämmiger Bevölkerung, nicht ohne Wirkung.

Islamische Familienclans zeigen auch bei uns inzwischen offen und aggressiv ihre Ablehnung unserer Gesellschaft gegenüber. Es kommt teilweise zu aggressiven Übergriffen ganzer Familien gegen Homosexuelle und allzu freiheitlich wirkende Frauen.

Niemand findet diese Entwicklungen gut, aber erklärt sich eindeutig aus unserer kapitalistischen und liberalen „De-Moralisierung“ der Auflösung unserer Werte und der wertragenden Institutionen, von der Familie bis zur Kirche. Die Entwicklung ergibt sich auch aus der zunehmenden wirtschaftlichen Ungleichheit, die vor allem die traditionellen Lebensstile trifft, die sich nicht flexibel unserer kapitalistischen Verwertungslogik anpassen.

Der neue Ekel ist nicht existentialistisch, wie bei Jean Paul Sartre, in dessen Roman es um die radikale Freiheit des Individuums ging. Der neue Ekel ist ein Ekel vor dem zusammenhangslosen und sinnlosen Individuum, das keine eigene Identität mehr besitzt, sondern beliebig viele Identitäten, die widerspruchsfrei nebeneinander stehen sollen, was sie ad absurdum führt. In ihrer so erlebten „Nichtigkeit“ lassen sich immer mehr Menschen eine erfundene Identität auf die Haut tätowieren oder legen sich eine Reihe von Wunschidentitäten im Internet an, auf Facebook, Instagram, in Videospielen und beruflichen Netzwerken.

Die Auflösung, die hier bis in die Tiefen der Identitäten reicht, verursacht den neuen Ekel.

Rückbesinnung auf Familie und Tradition

Was sich in Frankreich, Polen und anderen Ländern mit starker traditioneller Bindung zeigt, ist keine Entgleisung in Bezug auf Demokratie oder Freiheitlichkeit. Es ist der Versuch, Auflösungsprozesse einzudämmen, die von der Politik direkt bis in die Keimzellen unseres gesellschaftlichen Lebens wirken. Die Gegenwehr gegen den Angriff auf die Familien ist vielleicht nicht mehr so politisch wie zu Zeiten der „La Manif pour tous“-Proteste, über die sich die gesamte westliche Medienwelt aufgeregt hat, aber sie ist hartnäckig. Das Thema motiviert zehntausende Menschen immer wieder auf die Straße zu gehen und die Wahlergebnisse von Le Pen zeigen, dass es sich hier nicht um ein paar Ultrakonservative handelt.

Aus dem Kampf um die Familie haben sich die Kirchen längst zurückgezogen und die konservativen Parteien tragen ihre Familienpolitik zumindest in Deutschland nur noch im Lable, haben aber keinerlei echtes Engagement mehr für den Erhalt der Familien. Ob die Rechtspopulisten dieses Thema im großen Umfang für sich verwerten können, hängt auch von einem möglichen Umdenken der etablierten Parteien ab. Derzeit ist davon nichts zu erkennen.

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 02. Juni 2017 um 17:44 Uhr  

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