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Bundeswehr: Keine Patrioten bitte!

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Der Missbrauch unserer Armee durch Politiker mit völlig verkommenen, moralischen Maßstäben, stinkt zum Himmel!

Als der Skandal wegen des Bundeswehrsoldaten Franco A., der möglicherweise einen rechtsextremen Terroranschlag plante, durch die Medien ging, konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Verteidigungsministerin ultraschnell eine Pauschalverurteilung der Inneren Führung in der Bundeswehr in die Medien lancierte.

Ursula von der Leyen gelang auf diese Weise das Kunststück, aus der Bundeswehr einen „moralischen Saustall“ zu machen, den sie nun endgültig ausmisten werde. So rettete sie ihr Amt.

Gelernt hat sie diese Taktik der „Nicht-Loyalität“ (Loyalität funktioniert in Deutschland ohnehin nur von unten nach oben) offensichtlich von Angela Merkel,  die auf diese Weise in der Vergangenheit eine Reihe von kleinen Regierungskrisen meisterte, indem sie jeweils Minister für das jeweilige Versagen gerade stehen ließ, darunter auch zwei Verteidigungsminister. Einem, Franz Josef Jung“ der für einen Angriff in Afghanistan (Kundus-Affäre) bei dem an die Einhundert Zivilisten getötet wurden, den Hut nahm, folgte Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin nach. Das Gute daran ist, dass eine Affäre auf diese Weise erst einmal öffentlich erledigt ist, obwohl das Versagen nicht angemessen aufgearbeitet und die Opfer nicht angemessen entschädigt wurden (die Opferfamilien bekamen bis zu 4000 Euro, was offensichtlich der Preis für einen toten Afghanen ist).

Von der Leyen hat zwar keine Minister, aber eine „Generalität“, die sie verantwortlich machen kann und damit basta.

Das ist aber nicht unbedingt der Kern des Problems, das beschrieben werden muss. Der Kern ist die Tatsache, dass auch einer Wehrpflichtigen-Armee, die jahrzehntelang zur Landesverteidigung da war, in Eile eine moderne Einsatztruppe der Nato gemacht wurde, die jetzt in vielen verschiedenen Krisenregionen aktiv ist.  Die Landesverteidigung spielt eine zunehmend untergeordnete Rolle und entsprechend schlecht ausgestattet ist die Bundeswehr auch.

Die schlechte Ausstattung ist aber nicht nur materiell zu verstehen, sondern vor allem auch mental!

Das Prinzip der „inneren Führung“ mit dem die Bundeswehr jahrzehntelang Vorbild in Europa und der Welt war, geriet an dem Punkt ins Wanken, als die Soldaten in Auslandseinsätze geschickt wurden, die mit Landesverteidigung nicht mehr das Geringste zu tun hatten. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ein Bundesverteidigungsminister Peter Struck im Jahre 2002 behauptete:

„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Das Zitat zeigt, wie mühsam eine Verbindung zwischen Auslandseinsätzen der Bundeswehr und Landesverteidigung herbeigezogen wurde, weil es keine eingängige und vor allem verfassungskonforme Begründung für die neuen Angriffskriege der Nato gab. Das war zuvor auch schon beim Jugoslawien-Krieg der Fall.

Man kann sagen, dass die Bundeswehr in dem Augenblick mental von der Politik allein gelassen wurde, als man sie, mit schwachen Begründungen, in die Welt hinaus schickte.

Auswüchse von Corps-Geist, Männerherrlichkeit und Nationalismus mag es immer schon gegeben haben, aber sie bestimmten ganz sicher nicht das öffentliche und reale Bild der Bundeswehr.

Was aber in den letzten zwanzig Jahren geschehen ist, ist die Umwandlung der Bundeswehr von einer nationalen Verteidigungsarmee, die breite Wurzeln in der Bevölkerung hatte, zu einer modernen Söldner-Truppe, die es mit einem ständigen „Sinndefizit“ zu tun hat. Diese Umwandlung hat der Bundeswehr nicht gut getan. Überall auf der Welt sind Söldner-Truppen bekannt als kleine Parallelwelten mit eigener Moral und einem von außen erkennbaren, menschlichen Defizit. Egal ob man die Marines oder die Fremdenlegion als Beispielsnimmt (Beispiele gibt es viele mehr). Das Phänomen ist überall das gleiche. Die Armee der Vereinigten Staaten hat nicht umsonst so viele Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf dem Kerbholz. Schuld sind die schwach legitimierten Angriffskriege überall auf der Welt und die Struktur, die im Kern einer Söldner-Truppe entspricht.

Hollywood hat diese Problematik in unzähligen Filmen aufgegriffen, in denen es immer um dasselbe Problem geht. Der schmutzige Einsatz, irgendwo auf der Welt, den die Öffentlichkeit nicht mitträgt, der aber trotzdem gemacht werden muss, obwohl die Soldaten am Ende von der Politik verleugnet werden. Fast scheinen diese Filme eine normative Wirkung entfaltet zu haben, dass eine missbrauchte Armee etwas völlig normales sei. Irgendjemand muss schließlich die „Arschkarte“ haben.

Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, die vom Parlament missachtet wird

Gerade wurde ein offener Brief des Bundes deutscher Einsatzveteranen e.V. an den Bundestag in den Medien diskutiert, in dem es um das fehlende Konzept für moderne Veteranen der Bundeswehr geht. Dieses Konzept existiert bisher nicht, obwohl seit zwanzig Jahren Bundeswehrsoldaten aus Kriegseinsätzen nachhause kommen. Wenn nicht im Sarg, dann oft geschädigt. Nachsorge nach solchen Einsätzen wird von der Politik nicht gerade groß geschrieben.

Entsprechend waren die Parlamentarier am sonntäglichen Veteranen-Tag, der auch mit einer Mahnwache am Kanzleramt verbunden war, ferngeblieben. Die Abwesenheit der Bundestagsabgeordneten wirkte hier fast wie ein Boykott, so als wollte man einer „verfassungsfeindlichen Organisation“ nicht sein Gesicht leihen. Es zeigte den fehlenden Rückhalt der Bundeswehr im Parlament, obwohl diese immer häufiger für Auslandseinsätze gebraucht, auch missbraucht wird.

Die missbrauchte und missachtete Armee scheint inzwischen nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns der Normalfall zu sein.  Das Mind-Set einer patriotischen Armee aber, die ihr Vaterland verteidigt, wird von der Politik, auch von der Verteidigungsministerin, entschieden bekämpft.

Traditionserlass richtet sich auch gegen die moderne Traditionslinie der Bundeswehr

Die „Überarbeitung“  der eigenen Traditionslinie der Bundeswehr (Traditionserlass), die von der Verteidigungsministerin angeordnet wurde, um im Fall Franco A. Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, ist in Wirklichkeit die Überarbeitung der Tradition einer modernen, demokratischen Armee, die jetzt entwurzelt werden soll, um für wahllose internationale Einsätze kompatibler zu werden. Es ist die „Ent-Patriotisierung“ der Bundeswehr und der gewollte Absturz in die Sinnlosigkeit einer Söldner-Truppe.

Im Rahmen der Internationalisierung der Truppe gibt es viele kritische Stimmen innerhalb der Bundeswehr, auch und besonders in der „Generalität“. Genau die sollen jetzt zum Schweigen gebracht werden, in dem man einen Kampf gegen den Corps-Geist vorgiebt.

Das Problem besteht darin, dass wir keine Politiker mehr haben, die sich als Patrioten fühlen. Gleichzeitig aber wird über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren nachgedacht, über Aufstandsbekämpfung auch in Deutschland. Das bedingt, dass man eine patriotisch-national orientierte Truppe nicht mehr haben möchte. Was würden solche Soldaten sagen, wenn sie plötzlich nicht nur in Afrika, sondern auch in Deutschland kämpfen müssen und das gegen die eigene Bevölkerung?

In der Bundeswehr sind von der Politik moralfreie Befehlsempfänger mit politisch korrektem Verhalten und ohne Widerspruchsgeist gefordert. Sie müssen ihren Job tun und loyal sein, auch ohne, dass man ihnen Loyalität aus der Politik entgegenbringt.

Keine Patrioten, bitte, keine Vaterlandsverteidiger. All das ist in der Politik inzwischen ein absolutes Nogo. Wir haben es nur noch nicht so deutlich gemerkt.

Unsere Politiker sind keine Patrioten und deshalb bekämpfen sie auch die Armee, die unser Land verteidigen soll.

Die Bundeswehr eben.

Klar erkennbar auch in dieser neueren Affäre:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-offizier-zeigt-ministerin-ursula-von-der-leyen-an-a-1155062.html

Die Truppe soll den Mund halten.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 01. Juli 2017 um 18:20 Uhr  

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