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Moral – Aristokratie

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Warum die SPD umfragemässig mittlerweile bei der Schuhsohlenarithmetik (18 Prozent) Guido Westerwelles'selig angelangt ist, mag meine Partei beurteilen. Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich schreibt in einem Essay in der Zeitschrift Geo, 1/ 2018, viel besser folgendes:

"Im Unterschied zu einer Tugend – oder einer Pflichtenethik fällt es bei einer Wertethik manchen Menschen leichter als anderen, sich als moralisch einwandfrei zu qualifizieren. Somit aber führt eine Wertethik zu einer neuen Form von Klassengesellschaft: einer Moral – Aristokratie, die aufmerksamkeitsstark ihre Werte in Szene setzt, stehen Menschen gegenüber, denen es kaum gelingt, sich und ihre Werte sichtbar zu machen. Mögen sie noch so rechtschaffen leben, drohen sie dennoch zu einem Moral – Proletariat zu werden. Als solches aber entwickeln sie früher oder später Ressentiments gegen die Eliten einer wertefreundlichen Bekenntniskultur. Diese Eliten trifft man in Biosupermärkten genauso wie bei Projekten des politischen Kunstaktivismus. Moralaristokraten gibt es nicht nur in linken Milieus, sie finden sich ebenso bei Rechten. (…) Umgekehrt erfahren die Moraleliten ihr Tun als sinnerfüllt und gerechtfertigt. Sie können ihr gutes Gewissen genießen und mit wachsendem Hochmut auf die anderen herabblicken. Diese Zustände erinnern an die Reformationszeit vor 500 Jahren. Damals konnten Reiche viel eher als Arme Ablassbriefe kaufen, Heilsprivilegien erlangen und ihr Selbstwertgefühl steigern (…)

Heute stehen in einer wertethisch orientierten Gesellschaft Menschen, die ihre Werte realisieren, viel besser und strahlender da als Menschen, die das nicht können. Und nun sind die populistischen Strömungen der Gegenwart erste Anzeichen eines Protests derer, die sich von einer selbstgerechten Moralaristokratie schlecht behandelt oder gar unterdrückt fühlen."

Kurt Tucholsky schrieb mal folgendes : "Sie leben wattiert. Es ist das etwas Anämisches, etwas von einem luftleeren Raum. Sie sind von der Erdkruste durch eine Schicht Geld getrennt (…) Ein Dickdarm ist nicht reich, Ein Herzmuskel ist nicht reich.Ein Oberschenkel ist nicht reich.Die Natur fühlt sich wohl im Reichtum – aber sie spielt das Spiel nicht mit; sie ist. Reich ist sie nicht."

(Kurt Tucholsky. Das große Lesebuch. Frankfurt 2010. S. 187.)

Genug der Zitate, aber:

Hier in Münster gibt es ähnliche Tendenzen, im teuren Jugendstil – Kreuzviertel wohnt die – überspitzt gesagt – grün/rote Schickeria, sozialisiert in den Siebzigern und achtziger Jahren, auch viele typische Alt - SPD'ler, es sei ihnen gegönnt.

Und natürlich die FDP - Wählerschaft und die Freunde der CDU. Letzere bildet mit den Grünen seit 2016 den Rat. Und da gäbe es so manches anzumerken.

Der Bahnhof wird zur Zeit 'modernisiert', die Drogen und Alki- Szene, die es in jeder größeren Stadt gibt, soll, ja, was eigentlich, motiviert werden, anderswo hin zu gehen.

Nur, wohin ?

'Dialog' reklamiert die schwarz - grüne Mehrlichkeit dazu, die Drogenszene soll in die Diskussion'eingebunden' werden. Ok.

Dialog zwischen Großinvestoreninteressen und - sorry, alte Titulierungen, man weiss bald gar nicht mehr, wie man politisch korrekt formuliern darf: 'Pennern' und Junkies, oh, gleich klingelt die Moralpolizei, schnell abschließen und Licht aus - ob das gut geht ?

Die vom Land in der Stadt anvisierte ZAB (Zentrale Ausländerbehörde, vulgo 'Zentrale Abschiebebehörde''genannte Institution) ist aufgrund massiven Widerstands vom Tisch, soll doch der Status der 'Friedensstadt' Münster nicht beeinträchtigt werden.

Dass diese Institution dann in Greven, Recklinghausen oder anderswo realisiert werden muss, egal, wir sind 'rein' hier, siehe oben.

Trotz der gar nicht so friedlichen Vergangenheit der Stadt. Die 'Wiedertäufer' waren eine auch nicht unfriedliche Vor - 68'er Kommune,die im 16. Jahrhundert kurzzeitig ein präsozialistisches 'Utopia' errichten wollten. Fürstbischöfliche Truppen machten dem Geschehen damals radikal ein Ende. Die hingerichteten Rädelsführer - u.a. Jan von Leyden, wurden in Käfigen am Turm  der Lambertikirche ausgestellt. Die Originalkäfige hängen da heute noch. Nur nebenbei, wo waren wir stehen geblieben...

Und Münster will sein seit über 150 Jahren in der Innenstadt angesiedeltes Gefängnis ausgliedern, angeblich wegen Baumängeln. Das sieht aus,  tja, wie ein Zweckbau von 1840 ff. halt ausieht, mit Bewachungstürmchen, Stacheldraht etc.

Dieses soll demnächst seiner Bestimmung entbunden und die Bewohner in ein neues 'Heim' in der westfälischen Pampa ca. zehn Kilometer nördlich umziehen.

Was soll man machen...

Dass Investoren ein gesteigertes Interesse an dem Perlengrundstück am Rande von Münsters' City haben könnten, ist allerdings ein Gerücht. Und Denkmalschutzargumente lassen sich unterschiedlich interpretieren...

Um auf obiges Zitatkonvolut zurück zu kommen:

Von den Grünen und anderen lokalen Moralaristokratiekompetenzen würde man sich teilanalog folgendes ähnlich wünschen:

'Eine Bewährungsanstalt mitten in unserer Stadt ist ein Beweis gelebter Willkommenskultur, somit ein Angebot an kommunikationstechnologisch fehlgeleitete Menschen mit alternativer Sozialkompetenz. Die Grünen in Münster lehnen daher eine Ausgliederung dieses innerstädtischen Resozialisierungszentrums entschieden ab', oder so.

Spass beiseite. Die SPD steht irgendwo dazwischen. Sagt man.

Schauen wir mal.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 07. Februar 2018 um 16:41 Uhr  

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