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Jugend: Der Gewalt im Kopf hilflos ausgeliefert?

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Fehlende Gewaltkompetenz führt zunehmend zu einer gewalttätigen Gesellschaft.

Die Verbrechen, in den plötzlich und unvermittelt zugestochen oder zugeschlagen wird, häufen sich. In Auseinandersetzungen, wie zuletzt der tödlichen Messerstecherei eines Mädchens auf dem Parkdeck im Bahnhof von Hörde, ging es offensichtlich um eine Bagatelle (bekleckerte Kleidung), die zum Streit und zur sofortigen Eskalation geführt hatte. Ähnlich war es vor zwei Jahren, als die türkischstämmige Studentin Tuce von einem ebenfalls türkischstämmigen Jugendlichen totgeschlagen wurde.

Merkmal der plötzlich und eruptiv wirkenden Gewalttaten ist vor allem unter Jugendlichen, dass eine stufenweise Eskalation entweder rasend schnell stattfindet oder ganz ausbleibt.

Es wird nicht mehr lange gefackelt und nicht mehr umständlich gedroht, sondern einfach „kalt gemacht“.

Gerade unter türkischstämmigen Jugendlichen und solchen mit Migrationshintergrund (auch in zweiter oder dritter Generation) aus muslimischen Ländern fällt diese fehlende Gewaltkompetenz besonders auf.

Man könnte dieses Verhalten, keine großen Ankündigungsrituale vor die eigentliche Gewalthandlung zu schieben, als hitzig bezeichnen. Aber das ist es in vielen Fällen eigentlich nicht. Man kommt direkt zur Sache und zwar eiskalt. Wenn Drohungen ausgestoßen werden, dann sofort Todesdrohungen. Das extrem wird insbesondere in der Türkei praktiziert, wo man eine Morddrohung für Fehlverhalten schneller bekommt, als einen Strafzettel.

Die andere Seite der Medaille ist unsere liberale und scheinbar gewaltfreie Gesellschaft, die Gewalt in jeder Form bereits im Kindergarten tabuisiert. Gewalt als Nogo, egal in welcher Form, hat sich als Tabu fest in unseren Köpfen etabliert, aber die Gesellschaft ist, vor allem durch Zuwanderung, mit immer mehr Gewalt konfrontiert. Hier rächt sich der Ansatz einer friedlichen Gesellschaft, die gegenüber gewalttätigen Personen, insbesondere aus Osteuropa, der russischen Sphäre und islamischen Ländern, dann auch entsprechend wehrlos ist.

Es rächt sich aber auch die Tatsache, dass wir unseren Kindern möglichst jede Gewalterfahrung ersparen wollen. Genau diese Gewalterfahrung führt nämlich zum Kompetenzzuwachs beim Umgang mit Gewalt. Der Punkt, an dem es ernst wird, kann nicht mehr rechtzeitig erspürt werden und deshalb ist dann bei einer Eskalation plötzlich alles ernst oder aber es wird nichts ernst genommen. In beiden Fällen, dem unbewussten Hineinschliddern in die Spirale oder dem gezielten Überspringen von Gewaltstufen, ist die Gefahr um vieles größer, als bei einem schrittweisen Gewaltaufbau (möglicherweise nach bestimmten Riten und Regeln), den viele von uns aus der Jugend noch kennen.

Natürlich können auch Drogen, Alkohol und strukturelle Störungen bei den Jugendlichen selbst als Ursache dieser Entwicklung herangezogen werden. Aber allen Ursachen ist gemeinsam, dass die Gewaltkompetenz entweder fehlt oder aber ausgeblendet wird. Man kann diese Entwicklung als beunruhigend bezeichnen und unsere Gesellschaft, mit ihrem Ideal der Gewaltlosigkeit, hat keine angemessenen Reaktionen, mit der auf diese Entwicklungen reagiert wird.

Verbrechen wird idealisiert

Zu keinem Zeitpunkt hat es in der Bundesrepublik eine Phase gegeben, in welcher, in der Subkultur, Verbrechen und Verbrecher derart idealisiert wurden. Angefangen vom Rap bis zur Kleidung scheint Verbrechen Jahr für Jahr immer mehr Hip zu sein. Eine Entwicklung, die sich seit den Neunzigern auch in unserer Republik zeigt. Natürlich sind andere Länder von dieser Entwicklung nicht ausgenommen, teilweise sogar sehr viel mehr betroffen (Osteuropa, Frankreich, Belgien, aber auch Skandinavien). Die Zuwanderung der letzten Jahrzehnte scheint hier eine erhebliche, aber nicht die einzige Rolle zu spielen.

Nimm, was Du willst

Ebenso wichtig für den Siegeszug der „Verbrecher-Mentalität“ in unserer Gesellschaft ist die zunehmende Umerziehung der Menschen in Richtung eines hedonistischen Lebensstils. Es werden immer mehr ungeduldige Konsumenten in unser gesellschaftliches Gefüge gelassen und entlassen, die keinen Aufschub ihrer Konsumwünsche aushalten können. Derartig dekonstruierte Persönlichkeiten sind zwar ideale Konsumenten, aber äußerst dünnschichtig, wenn es um Leistungsanforderungen geht. Die Entstrukturierung liberaler Gesellschaften macht vor den Persönlichkeitsstrukturen ihrer Teilnehmer ja nicht halt. So führt das Prinzip „Nimm, was Du willst“ häufig zu so genannten ich-schwachen Egoisten, die nur noch auf den schnellen (Lust-) Gewinn zielen. Ein Phänomen, dass sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gerade in der postsowjetischen Welt entwickelt hatte und zur Mentalität des schnellen Einstreichens von Vorteilen ohne die Hoffnung auf eine strukturierte Karriere oder zumindest einen strukturierten Lebensweg zeigt. Die Grundlage für die fast religiöse Verehrung der Mafia und der organisierten Kriminalität in der russischen Welt. Ein Ausweg ist hier nicht in Sicht, wenn man von der Hinwendung zu illiberalen Demokratien und Autoritarismus absieht, welche das Problem nur kaschieren.

Etwa die Hälfte unserer Gewalt ist importiert – Tendenz steigend

Auch wenn man es nicht gerne hört. Annähernd die Hälfte der Insassen im Strafvollzug in Deutschland ist entweder mit einem ausländischen Pass oder einem Migrationshintergrund gekennzeichnet. Weit mehr als die Hälfte der inhaftierten Straftäter in Deutschland zeigen diese Merkmale, wenn es um Gewaltverbrechen geht.

Unsere Gesellschaft wird sowohl mit der immanenten Fehlentwicklung einer immer geringeren Gewaltkompetenz, als auch mit der zunehmend importierten Gewalt einfach laufen gelassen. Es gibt keinen nennenswerten Diskurs über diese Fehlentwicklungen, an den derzeitigen liberalen Ideologien wird nicht gerüttelt. Das führt zur Spaltung und Polarisierung, weil viele Menschen spüren, dass wir uns in einer verhängnisvollen Fehlentwicklung befinden, was den Faktor Mensch angeht. Weder die Pädagogik noch die Justiz und die Sicherheitsbehörden, weder die Politik noch ihr intellektuelles und religiöses Umfeld suchen hier ernsthaft nach Antworten, die eine Regulation unserer gesellschaftlichen Fehlentwicklung ermöglichen könnten.

Der Diskurs über dieses Thema der real ansteigenden Gewalt in unserer Gesellschaft, wenn man von eruptiver, nicht ritualisierter und sich schnell eskalierender Gewalt spricht, die oft tödlich endet, muss dringend eröffnet werden!

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 20. März 2018 um 15:45 Uhr  

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