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Zuckerberg-Hearing: Zensur statt Privacy

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Der Facebook-Skandal produziert extrem widersprüchliche Anforderungen an das Datenunternehmen.

Die heutige Anhörung Mark Zuckerbergs vor dem US-Senat in Washington, die live auf Phönix übertragen wurde, macht deutlich, dass die Politik nicht recht weiß, was sie an Facebook wirklich stört.

Ein Teil der Senatoren, darunter Lindsey Graham, bekannter Scharfmacher gegen Russland, verlangte, dass Facebook Einflussnahme auf amerikanische Politik durch Drittstaaten ausschließt und die entsprechenden Firmen, die eine solche Strategie verfolgen, identifiziert. Ein Rekurs also auf den Skandal um die Firma Cambridge Analytica, die gezielte psychologische Profile unter dem Vorwand von Persönlichkeitstests erhob und dann dem Trump-Team als Zielgruppe zur Verfügung stellte.

Ein anderer Teil der Senatoren hob auf den Datenschutz ab und die unvollständige Aufklärung der Nutzer darüber, dass persönliche Daten ein umfangreiches Tracking des Nutzerverhaltens auf individueller Ebene ermöglicht.

Gleichzeitig wird Zuckerberg vorgeworfen, zu wenig gegen Hate-Speech und Propaganda auf der Facebook Plattform zu unternehmen.

Neue Algorithmen sollen Facebook-Inhalte überwachen

Zuckerberg versprach mit neuen Algorithmen seine Content zu überprüfen und dabei Hate-Speech, Fake News und andere Methoden der Stimmungsmache auszusortieren. Darüber hinaus sollen Unternehmen identifiziert werden, die beispielsweise im Auftrag von Drittländern Einfluss auf Wahlen und politische Stimmungslagen nehmen.

In diesem Zusammenhang benutzte Zuckerberg mehrmals den Begriff „künstliche Intelligenz“. Gemeint ist nichts anderes, als dass intelligente Programme den Strom der Kommunikation auf Facebook überwachen sollen, was sie allerdings schon tun. Denn nur so, ist individualisierte Werbung möglich.

Facebook hat also längst die Kontrolle über den Content der Nutzer und ist weit davon entfernt, nur eine Plattform für soziale Kommunikation zu sein, wie er es heute im US-Senat darstellte.

Einige Senatoren waren mit der Zensurankündigung durch Zuckerberg zufrieden

Ein Teil der Senatoren gab sich damit zufrieden, dass Zuckerberg ankündigte, politisch gefährliche Inhalte zukünftig scannen und löschen zu wollen.

Zensur also, wie sie derzeit von Facebook in der EU erwartet wird, ansonsten drohen Milliarden-Strafen.

US-Senat als scheinbares Forum für Bürgerrechte nicht glaubwürdig

Zugleich wurde die Selbstbestimmung des Nutzers über die eigenen Daten angemahnt, was ein gewisser Widerspruch zu den Zensurforderungen an Zuckerberg ist. Man kann nicht die Privacy-Politik von Facebook hochfahren und zugleich erwarten, dass die gesamte Kommunikation auf Fehlverhalten der Nutzer gescannt wird. Da beißt sich die Katze in den Schwanz und das ist sehr wahrscheinlich auch nicht das Hauptanliegen der heutigen Anhörung gewesen.

Die Nutzer wurden bei der heutigen Anhörung verarscht

Denn der bessere Deal mit Zuckerberg scheint für den US-Senat zu sein, „schädliche“ politische Einflüsse zu bekämpfen und die Unverschämtheiten der individualisierten Werbung, die mit einer ganz offensichtlichen Ausspähung der Nutzerkommunikation verbunden ist, stillschweigend zu akzeptieren.

Am Ende wird es darum gehen, Facebook in den Dienst politischer Interessen und der Staatsräson zu stellen und nicht die Nutzer vor einer umfassenden Ausspähung durch Facebook zu schützen.

Insofern handelte es sich bei der heutigen Anhörung im Senat um eine Täuschung an den Millionen von Nutzern, die eine verbesserte Privacy-Politik des Konzerns erwarten.

Herauskommen wird eine Mischung von wirtschaftlicher Ausbeutung der Nutzer und politischer Zensur. Keine Sternstunde der Transparenz und keine Glanzleistung der Demokratie.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 18. April 2018 um 17:24 Uhr  

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