Europa , die Krise trifft Iserlohn

Dienstag, 25. Januar 2011 um 15:57 Uhr Jürgen Krüger Europa in den Regionen
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Heftig, unausweichlich, kräftig und unvorbereitet trifft es Iserlohn eine Stadt in Westfalen.

Da der Autor die Stadt kennt und sie seine Heimatstadt nennen darf, sollte ich zuvor etwas geschichtliches erwähnen.

Iserlohn ist ebenso alt, wie Berlin, war mal nach Münster eine der größten Städte der Region und hatte ein ausgefallenes Kleingewerbe und durchaus eine beachtliche Stellung in der Region.

Lag zwar unmittelbar an der Telegrafenstrecke BlnTreptow- Ehrenbreitstein, hatte jedoch keine funktionierne Eisenbahnverbindung, eben mehr das Tor zum Sauerland, als ein Ort mit der Anbindung.

Politisch bezog man sich auf die Grafen der Mark, die waren der Obrigkeit dankbar usw. in Iserlohn tanzte man dementsprechend mit, 1848 war nicht die bürgerliche Revolte hier dem Andanken etwas wert, nein man gedachte den königlich preußischen Truppen.

Das prägte das Vereinsleben und das Brauchtum, daher in den Jahren bis nach dem 1.Weltkrieg hier keine Garnision war, blühte das Bürgertum auf, mit der Republik war das so eine Sache, zwar schwarz rot gold, doch etliche sehnten sich nach dem Kaiser und fanden zu Hindenburg, nicht nur zu dem Prinz August Wilhelm in SA Uniform sprach hier zu den Massen.

Das waren nicht die Fabrikarbeiter aus dem benachbarten Ruhrgebiet, sondern Menschen aus unmittelbarer Nähe.

Es ist nicht verwunderlich, daß in einer solchen Stadt, wo das Bürgertum ziemlich isoliert schaltete und den Nutzen für sich in Anspruch nehmen wollte, die braunen Rattenfänger der NSDAP hatten bereits im Jahre 1931 die Mehrheit.

Einigkeit und Bürgertreue, ein Leitspruch der bürgerlichen Gesellschaft in dieser Region, ließ sich in brauner Farbe echt gut verwirklichen, Garnisionstadt, Aufmarschgelände und Adolf Hilter Kampfbahn prägten die Hirne.

Niemand fragte, was geschieht mit den Juden, niemand bemerkte etwas was sich am Rande der Stadt ereignete.

Die Stadt nahm ihren Lauf unter dem Hakenkreuz, gepredigt wurde demzufolge auch so, von der Kanzel frei herunter,man war ja unter sich.

Den Krieg erlebte man erst, als man Ausgebombte aus dem Rheinland aufnahm, dann kamen die Amerikaner, das nannte sich der Ruhrkessel wurde enger, man muß das Vorbildhafte von 2 Theologen erwähnen, der evangl.Pfarrer Hans-Maritin Linde und sein kath. Glaubensbruder Pfarrer Dr. Luer, die sich aufmachten zu den US Streitkräften und dort um Gnade bitteten, damit war das Schicksal der Wehrmacht entschieden.

In Iserlohn machte man aber dort weiter, wo man vor dem Krieg hatte aufgehört, eine Vergangenheitsbewältigung schob man auf den St. Nimmerleinstag, man war ja davon gekommen und gestaltete sein Leben mit den Briten, ging sich mitunter mehr aus dem Weg, doch das war durchaus angenehm.

Wären dann nicht immer wieder diese lästigen Fragen gekommen, wie war das eigentlich mit den Fremdarbeitern, gab es nicht das Russische Kriegsgefangenlager STALAG 6A, wer wußte davon?

Iserlohn blühte aber auf, kurzfristig und das ließ sich nicht konservieren, noch war man bescheiden-die SPD hatte in alter Tradition Kräfte freigesetzt, vor denen ich immer noch den Hut ziehe, Oskar Escherich sen. und sein Junior, das waren mehr als Familienmitglieder, uns verband als Familie eine Vorkriegsnachbarschaft, meinem alten Herrn lag nur etwas schwer im Magen, zunächst die mittelmäßig durchgeführten Entnazifizierungen und zudem nach der Verabschiedung der 131 Gesetze kamen die braunen Günstlinge wieder aus ihrem Dickhicht.

Wie war dem noch, daher die Stadt Vertriebene aufnahm -siedelten sich Zuzügler aus Oppeln und Oberschlesien an, die Bevölkerung wurde bunter und vielzeitiger.

Willy Brandt im September 1961 auf dem Schillerplatz, ich war dabei und mit uns Tausende, Iserlohn suchte den neuen Weg, man bemerkte den falschen Bezug zur heimischen Technik und wollte hinter den Bergen des Sauerlandes blicken.

Ein kleiner Stern ging auf Günther Einert, Schlesier, Gewerkschaftler und Sozialdemokrat, eine andere Generation, war es zuvor für einige Jahre dem Sozialdemokraten Fritz Rustemeyer gelungen, die sozialen Brennpunkte der Stadt aufzulösen, hatte man jedoch stets und ständig den rechten kleinbürgerlichen Geist in Form der CDU gegen sich.

Mit Günther Einert entwickelte sich etwas und man war gesellschaftlich nachfragender geworden, setzte mehr auf die Kultur und war in der zweiten Reihe die Waldstadt, ein Begriff den die Konservativen stets nach vorne schoben.

Man interessierte sich auch wieder für die eigene Vergangenheit, drei Mal hatte mein alter Herr vergeblich Anlauf genommen, diesmal wurde er erhört, im Jahre 1943 traf er in Minsk seinen jüdischen Nachbarn in Häftlingskleidung, man grüßte sich und das war schon zuviel, daß das der Kaufmann Ehrlich Iserlohn Wermingser Straße war, wollte man erst 1967 wissen.

Danach baute man Beton und es galt den Fortschritt in die Stadt zu locken, der SPD folgte die CDU und man setzte dem stets eins darauf, man wollte im Zeitgeist fortschrittlich sein.

Hinein in die City mit Karstadt, weg mit dem Kleingewerbe, Industrien dorthin wo man sie auf dem Reißbrett skizzierte,der Stadtkern wurde zum Drogoriemarkt, die Menschen mußten pendeln, das Auto war gefragt.

Die Identifizierung fand kaum noch statt, war es mal so-aber es blieb nicht so, im Wandel der Zeit eine sportliche Betrachtung, war früher Tus 1846 der Fußballverein, wo man des Sonntags hinging und ich mein erstes Autogramm von Fritz Herkenrath bekam, machte man nun ein auf Erbe der kanadischen Garnision, zwar spielte man im benachbartem Deilinghofen mit den Kanadieren eine Weile Eishockey, doch Iserlohn wollte auf dieser Welle reiten, man baute eine Halle und es ging los, die Verstümmelung einer Naherholungsanlage mit einem Verein, der seine Pleite abwehren konnte, dann spielte man für das grüne Buch des Obersten aus Lybien.

Die Vorboten einer aus Trotzigkeit erzogenen Generation ließ aber nicht aufhorchen, sondern man fand stets Wege mit Hilfe von Stadt und Land um neue Untaten zu praktizieren.

Fast wurden innerhalb der Stadt alle zu Pendler, dem Naherholungsgebiet um den Seilersee verpaßte man eine prima Autobahnbrücke, ein paar Kilometer danach ist dann Schluß.

Der Fortschritt nahm seinen Lauf, es schlossen Handelshäuser, Maschinenbaufabriken, die Molkerei und dann sollte es die Brauerei werden, die Parole lautete, saufen um die Pleite zu verjagen.

Nun kommt es besser, angetrieben von der kreativen Automobilentwicklung, veränderte die beheimatete Ing. Schule ihr Gesicht und ihren Betrieb, waren früher klassische Fächer der Technik- der gute Ruf- sind es heute durchschnittliche Angebote, mit denen man vielleicht eine Basis finden kann.

Iserlohn nun im Herzen Westfalens platziert im Jahre 2008, noch war die Krise nicht zu erkennen, rein statistisch fahren dort 70% aller zugelassenen KfZ auf einer Art der Finanzierung, dazu stagnierten hier Löhne und Gehälter bereits einige Jahre zuvor.

Siehe da, bereits Schröders Superminister Clement räumte mal ein, in und um Iserlohn würden sich eine Vielzahl von hartnäckigen Hartz IV Empfängern angesiedelt haben.

Aber es gab noch Betriebe die produzierten, bis Ende 2008 an 7 Tagen in der Woche in 3 Schichten, die sind innerhalb der letzten 3 Monate generell auf Kurzarbeit umgestiegen, bei einer Kapazitätsauslastung von weniger als 30%.

Dieser Absturz bringt nicht nur Behörden in Schwierigkeiten, sondern dazu die Karstadt Insolvenz und die Kettenreaktion innerhalb des verlieben Gewerbes, der Zulieferer usw, trägt die Stadt an den Rande des Ruins.

Das ist ein Beweis einer verfehlten Stadt- und Regionalplanung der CDU in Gemeinden und Land.

Ach und was ist mit dem Städtischem Hallenbad, das Ding gibt es nicht mehr- was das auf der Bahnhofsstraße? Das hatten Sozialdemokraten damals geschlossen und wollten in der Gartenstraße ein Kombibad errichten, das war eine Freude das neue Gartenbad, geschlossen 20 Jahre danach von der CDU- mitterweile ein privatbetriebenes Freizeitbad, dort wo früher ein preiswertes Freibad war.