Südtirols mindernde Umstände

Freitag, 26. Juni 2009 um 06:51 Uhr Jürgen Krüger Europa in den Regionen
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Es gedeiht

 

 

 

hier also der Rechtsradikalismus, je weiter man in die Zeitungsarchive einsteigt. desto aussagekräftiger wird diese These.

Auffallend ist dabei jedoch die jeweilige Spur, welche Benutzer dieser Archive verfolgten.

 

Ebenso so eindeutig und mitunter detailiert zu sehen, was fand eigentlich hier statt und warum führen so viele Spuren des Rechtsradikalismus nach Südtirol?

Aus zunächst deutschen Patrioten wurden extreme Nationalisten, aus denen wurden Rassisten, gute Nazis dann Rechtsradikale und schließlich Gewalttäter.

Um dabei auf die eigentliche Spur zu kommen sollte man über die nicht stattgefundende Vergangenheitsbewältigung in Südtirol sprechen. Dabei auffallend ist immer wieder das Opfersyndrom innerhalb der Gesellschaft, dieses begann unmittelbar nach der Beendigung des 1. Weltkrieges zu wirken und wird bis ins Jahr 2009 hinein behutsam gepflegt.

Das Opfersyndrom trägt einen Namen, schuldig war das System - das begann im Sinne der Südtiroler mit dem italienischen Faschismus im Jahre 1923.

Innerhalb dieser Epoche 20 Jahre des italienischen Faschismus von 1923 bis 1943 wollte Rom das Problem Südtirol entnationalisieren, man startete im Kultur- und Schulbereich.

Das Ziel lautete ein italienisches Südtirol, was die Faschisten in Rom angingen- jedoch mit mäßigem Erfolg, sollte dann ab 1939 mit dem Nazi- Deutschland vollendet werden.

Die beiden Chefs der Faschistischen Länder, Hilter und Mussolini unterzeichneten ein Abkommen, genannt die Option. Das war nichts anderes als die geplante Umsiedlung einer hier beheimateten Volksgruppe. die allerdings hatten eine Option offen, entweder nahmen sie die Staatsbürgerschaft des Hitler Deutschlands an und sollten sich der Ausreise tellen oder sie behielten ihre italienische Staatsbürgerschaft und konnten bleiben.

Nach einer intensiven Propaganda der NSDAP stimmten ca. 80% aller Südtiroler für die Option, Hitler war hier angekommen.

Dann folgte der Ausspruch des Kampfbundes Südtirol, die Südtiroler sind Deutsche, wie der Füher noch keine gesehen hat. Über diesen Kampfbund gibt es noch mehr zu berichten, unter dem Denkmantel einer nationalen Kulturstiftung vollzog sich über Jahrzehnte erstaunliches.

Innerhalb des Nazireiches hatte man schnell einen entsprechenden Lebensraum für diese Volksgruppe gefunden, südöstlich von Wien nannte sich die 1.Station und von dort läßt sich wiederum im Laufe der Jahre einiges berichteten.

Zunächst aber zurück zum Ergebnis dieser Option, von den 212000 ausreisewilligen Südtirolern wanderten jedoch nur ca. 75000 aus, das hatte mit dem Ausbruch des Krieges zu tun, den von Hitler begonnenen und mit der Bindung des anderen Faschisten innerhalb seines Kolonialreiches, aber auch mit dem Beginn eines Stimmungswandels in Südtirol, das Opfersyndrom erwachte einer Wiedergeburt.

Von den 75000 Ausreisenden war die Mehrzahl landlose Wald - und Feldarbeiter, die ihr Heil in der Nazi Umgebung suchten, was ihnen auch gelang, zum schwarzen Orden fanden direkt mehr als 10% und in die Wehrmacht kamen sofort ca. 20%, der Rest machte sich auf den Weg ins Länderdreieck Österreich/Slovenien/Mähren.

Dort angekommen wurden sie innerhalb der NSDAP zu Funktionsträger, mit Verlagerung des Krieges rückten sie bis nach Kroatien vor und hatten innerhalb der Herachie eine Schlüsselstellung.

Die Zurückgebliebenen sahen sich Schikanen der Nazi Treuen ausgesetzt und scharrten sich um einige Antifaschisten.

Wiederum sprach etliches nun für das Opfersyndrom, diesmal mit anderen Vorzeichen, antifaschistisch zu sein- hieß jedoch nicht antideutsch zu sein, nationalistisch blieb man. Es hatte sich jedoch ein Netzwerk gebildet und von dem sei noch zu reden, bevor wir ins Detail gehen einen Blick auf das Kriegsende.

Jene südöstlich von Wien sich befindenen Südtiroler wurde ihre Lage sehr bewußt, man setzte alles in Bewegung um den Partisanen Titos aus dem Wege zu gehen und veranstaltete einen Wettlauf gegen die nördlich aufmarschierende Rote Armee, das Ziel lautete sich den Amerikanern zu ergeben.

Auf das Netzwerk war Verlaß, man befand sich in Österreich innerhalb der amerikanischen Besatzungszone. Innerhalb dieser Zone Österreichs kam die Installierung des Kulturbundes Südtirol gerade recht, nach der Räumung Innsbrucks durch die US Streitkräfte und dem Einzug der Franzosen unterhielt man bereits dort ein Funktionsbüro. Das wurde nun Anlaufstelle für Südbayern usw. nicht nur hier sondern auch innerhalb der Region gingen einige in südliche Richtung um Spuren zu verwischen, jenseits von Bozen war man der Gefahr der Entdeckung aus dem Wege gegangen und bot dem Kulturbund seine brauchbare Hilfe an.

Es kam deshalb in Südtirol in den ersten Jahren nach Kriegsende zu einer Verwirrung zwischen Opfern und Tätern, das nutze die Südtiroler Volkspartei aus.

Entnazifizierungen fanden hier nicht statt auch die Widerstandsgruppen um General Badollio waren in diesem Teil Italiens nicht aktiv.

Südtirol war nun eine Insel in einem Meer geworden, wo es vielen gelang mit Werten eines untergegangenem Systems sich neu zu platzieren, aber auch hier gab es einige wenige bekannte Antinazis und genau diese wurden zum Alibi bei der Gründung der Südtiroler Volkspartei.

Damit rettete die Südtiroler Volkspartei den Daheimgebliebenen ihren Status des Opfers, die Rolle der Antinazis wurde ziemlich schnell von der Generation Wehrmacht übernommen.

In einem SVP Parteiorgan aus jenen Tagen hieß es dazu: Das Trauma der Spaltung in Optanten und Nicht-Optanten, in Deutsche und Walsche würde das oberste Gebot werden.

Nicht rühren! Net rogeln!

Das war das einzige praktizierende Parteiziel und das wurde von der Gesellschaft dankend übernommen, denn für eine Vergangenheitsbewältigung fehlte dabei die Notwendigkeit und das kam den Tätern sehr gelegen.

Dazu und mehr im nächsten Teil.